KI in Versicherungen: Eine Fallstudie mit BVAEB
ONTEC AI hat für die Versicherungsanstalt eine Lösung entwickelt, die den Zugriff auf den internen Wissensbestand erheblich beschleunigt.

BVAEB beschleunigt die Bearbeitung von Versicherungsfällen mit KI-gestützter Suche
Die BVAEB bearbeitet Versicherungsfälle auf Basis umfangreicher interner Regelwerke, die im Alltag häufig nachgeschlagen werden müssen. Gemeinsam mit ONTEC AI wurde dafür eine KI-Lösung umgesetzt, die Mitarbeitende gezielt zu relevanten Dokumentstellen führt und damit Recherche beschleunigt, ohne die fachliche Verantwortung zu ersetzen.
Auf einen Blick
- Kunde: BVAEB Versicherung (>1,3 Mio. Versicherte)
- Problem: Zeitaufwändige Suche in komplexen Dienstverfügungen (Tabellen, Fachbegriffe, Versionen)
- Lösung: RAG-basierte KI-Suche mit Dokumentstellen-Verweisen, Tabellenaufbereitung & Terminologie-Anpassung (kein generischer Chatbot)
- Vorgehen/Go-live: POC (~1.700 Dokumente), strenge Qualitätssicherung (bis 200 Testfragen/Zyklus), Rollout Anfang 2026 + Enablement
- Nutzen: Schnellere Recherche, hohe Genauigkeit, schnellere Einarbeitung neuer Mitarbeitender
Über den Kunden
Die BVAEB ist die Versicherungsanstalt für öffentlich Bedienstete, Eisenbahnen und Bergbau. Sie gewährleistet die Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherung für mehr als 1,3 Millionen Versicherte und Angehörige in ganz Österreich. Von der Geburt bis ins hohe Alter fördert die BVAEB über Vorsorge und präventive Maßnahmen die Gesundheit ihrer Kunden.
Gleichzeitig ist die Organisation in mehrere Fachabteilungen mit unterschiedlichen Zuständigkeiten gegliedert.


Ausgangslage & Herausforderung
In der täglichen Fallbearbeitung (u. a. Erstattungen/Leistungsentscheidungen) müssen Mitarbeitende regelmäßig umfangreiche interne Regelwerke und Richtlinien („Dienstverfügungen“) konsultieren. Diese Dokumente bringen mehrere Herausforderungen mit sich:
- Sehr hoher Dokumentumfang mit entsprechend viel manueller Recherche macht die Suche zeitaufwändig.
- Komplexe, detailreiche und sensible Inhalte (u. a. medizinische Terminologie + organisationsspezifisches Wissen) erfordern höchste Präzision.
- Schwer maschinenlesbare Tabellen als zentrale Struktur birgt die Gefahr, dass bei naiver Extraktion Semantik (Zuordnungen/Bedingungen/Ausnahmen) verlorengeht.
- BVAEB-spezifische Fachbegriffe/Terminologie, die Standard-KI-Modelle ohne Kontext nicht kennen, erschweren Suche und Interpretation.
- Regelmäßige Updates und mehrere Dokumentversionen setzen voraus, dass der richtige/aktuelle Stand zuverlässig gefunden und belegt werden muss.
Die zentrale Herausforderung war daher:
- Relevante Passagen schnell finden
- korrekt interpretieren
- nachvollziehbar belegen (Dokumentenbezug)
- und dabei Zeitaufwand sowie Fehleranfälligkeit reduzieren – auch zur Unterstützung neuer Mitarbeitender.
Zielsetzung
Gewünscht war eine Assistenzlösung, die Mitarbeitende deutlich schneller zu den richtigen Stellen in den Richtlinien führt, ohne dabei die fachliche Verantwortung zu ersetzen.
Präzision, Ergebnisqualität und Nachvollziehbarkeit der Informationen standen im Vordergrund.
Lösung: „KIWI“ – KI-gestützte Suche mit RAG-Ansatz und domänenspezifischen Erweiterungen
Gemeinsam mit ONTEC AI wurde „KIWI“ („Künstliche Intelligenz für Wissensmanagement“) umgesetzt.
KIWI liefert sekundenschnelle, nachvollziehbare Antworten, entscheidet aber nicht.
Technically, KIWI is built on a Retrieval Augmented Generation (RAG) approach and was deliberately designed not as a generic chatbot but as a clear, structured workflow:
Frage stellen >Antwort erhalten > gezielt zu relevanten Dokumentstellen geführt werden
Was KIWI besonders macht (Differenzierungsmerkmale)
Bei KIWI handelt es sich nicht um eine standardisierte RAG-Lösung – das Tool kommt mit diversen Besonderheiten, welche eigens für die BVAEB mitentwickelt wurden.
KIWI basiert auf der Kombination der modularen ONTEC AI Plattform und gezielten Erweiterungen, die speziell für die BVAEB entwickelt wurden.
- Table processing as the key challenge: A large share of the relevant rulebook logic is embedded in tables. ONTEC AI developed specialized processing that transforms tables so that conditions, assignments, and exceptions remain semantically accurate and searchable.
«Der Knackpunkt im Projekt waren die umfangreichen Tabellen im Regelwerk: In klassischen RAG-Setups sind sie oft schlecht maschinenlesbar und es besteht die Gefahr, dass semantische Bedeutung verloren geht. Wir haben eine auf die BVAEB spezialisierte Verarbeitung gebaut – damit auch schwer maschinenlesbare Inhalte zuverlässig im RAG-System auffindbar und nutzbar werden.»
Branko Ristivojcevic, Projektleiter, ONTEC AI
- Domain language and organization-specific terminology: BVAEB-specific terminology was deliberately incorporated so that answers are professionally relevant and search performs reliably.

Es wurde eine hybride Suche implementiert. Hybride Suche bezeichnet einen Suchansatz, der zwei (oder mehr) Suchmethoden kombiniert – typischerweise semantische Suche (z. B. über Vektoren/LLMs, die Bedeutung und Kontext erfassen) und klassische, lexikalische Suche (z. B. Keyword-Suche), um sowohl inhaltliche Ähnlichkeit als auch exakte Begriffstreffer zuverlässig abzudecken. Das ist besonders hilfreich, wenn rein semantische Verfahren bestimmte domänenspezifische Begriffe oder Formulierungen nicht gut erfassen; durch die Kombination werden die Ergebnisse robuster.
- Safeguards against AI hallucination: Alongside prompt engineering (mandatory citations, answer formatting, handling uncertainty), KIWI benefits from the model-agnostic hallucination prevention built into the ONTEC AI platform.
Zur Unterdrückung von KI-Halluzinationen wird jede generierte Antwort automatisch gegen den Quelltext geprüft, indem die semantische Übereinstimmung zwischen Antwort und Originaldokument berechnet wird. Unterschreitet diese einen definierten Schwellenwert, wird die Antwort verworfen. Das System antwortet nur, wenn die Information tatsächlich im Dokument belegt ist. So wird sichergestellt, dass KIWI nur relevante, valide und nützliche Informationen ausgibt und damit zuverlässiger ist als das pure, zugrunde liegende Sprachmodell.
- Integration with the existing document repository: KIWI accesses documents directly within BVAEB’s existing repository. The AI comes to the documents, not the other way around.
- Automated quality assurance and iterative optimization: Multiple test and feedback cycles were run with power users under strict acceptance criteria, including expected documents and passages.
Darüber hinaus wurde eine automatisierte Regressionstestsuite aufgebaut: Pro Testfrage sind sowohl das erwartete Quelldokument als auch die erwarteten Fakten der Antwort hinterlegt. Bei jeder Änderung am System – ob an der Suche, der Dokumentenverarbeitung oder den Prompts – wird diese Suite automatisch ausgeführt, um sicherzustellen, dass das Qualitätsniveau sichergestellt werden kann.
- Governance: responsibility stays with people: KIWI is designed as an assistant for finding information and orientation, not as an autonomous decision-making system. Feedback loops and accountability structures were mapped out to ensure quality assurance is organizationally embedded.
Projektverlauf & Einführung
Projektteam
Das Projektteam setzte sich zusammen aus dem Team von ONTEC AI sowie dem Team der BVAEB bestehend aus Digitalisierungsabteilung, Projektleitung sowie Power User/End User aus den Fachabteilungen für Tests und fachliche Validierung.
Entwicklung
Die Entwicklung verlief iterativ und eng mit der BVAEB verzahnt.
Den Aufschlag bildete ein Proof of Concept (POC), bei dem ca. 1.700 Dokumente gesichtet und analysiert wurden.
Ein wesentlicher Teil der Implementierung war das sogenannte Prompt Engineering, also die Anleitung des Modells, wie es die Informationen der Dokumente behandeln soll (z. B. Antwortformat, Zitierzwang, Umgang mit Unsicherheit). Ergänzend dazu greift die in der ONTEC AI Plattform integrierte, modellunabhängige Halluzinationsprävention, die jede generierte Antwort automatisch gegen die Quelldokumente validiert und nur belegte Informationen durchlässt.
Die daraus entwickelte Lösung wurde anschließend über wiederholte Test- und Feedbackzyklen gemeinsam mit Power Usern fachlich validiert und optimiert.
«Die Zusammenarbeit mit ONTEC AI war für uns vor allem deshalb so wertvoll, weil das Team unsere fachlichen und organisatorischen Anforderungen vollumfänglich berücksichtigt hat. Besonders überzeugt hat uns, wie pragmatisch und lösungsorientiert ONTEC AI knifflige Themen angegangen ist.»
Bernhard Böck, BVAEB, Abteilungsleiter IKT Software
Es griff ein sehr strenger Qualitätsprozess, bei dem pro Zyklus bis zu 200 Testfragen inklusive erwarteter Dokumentstellen/Passagen definiert und überprüft wurden. Diese Testfragen wurden zusätzlich in eine automatisierte Regressionstestsuite überführt, die bei jeder Systemänderung sicherstellt, dass die Antwortqualität erhalten bleibt.
Dabei wurden nicht nur die Such-/Antwortqualität, sondern auch die Benutzeroberfläche und die praktische Nutzbarkeit im Arbeitsalltag schrittweise verbessert.
Rollout und begleitende Maßnahmen
Das Rollout erfolgte Anfang 2026 und wurde von umfangreichen Schulungen begleitet: Inhalte auf einer internen Weiterbildungsplattform (u. a. Funktionsweise, Beispiele für gute/schlechte Fragen), ein internes Handbuch mit Zielbild und Erwartungsmanagement („was es ist und was es nicht ist“) sowie ein Kurs mit Quiz. Feedback wurde dabei als fester Bestandteil der laufenden Verbesserung etabliert.
Ergebnisse / Business Impact
KIWI unterstützt Mitarbeitende dabei, Versicherungs- und Erstattungsfälle effizienter zu bearbeiten, indem relevante Regelwerksstellen schneller gefunden und nachvollziehbar belegt werden können.
Zu den wichtigsten Ergebnissen gehören:
- Schnellere Dokumentenabfrage: Die hybride Suchlösung reduzierte die Zeit, die für die Suche nach Dokumenten aufgewendet werden muss, sodass sich Mitarbeitende sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können.
- Höhere Genauigkeit: Die Kombination von LLMs mit traditionellen Suchmethoden gewährleistet genauere Ergebnisse und minimiert KI-Halluzinationen.
- Schnellere Einarbeitung neuer Mitarbeitender: Das System verkürzte die Einarbeitungszeit für neue Mitarbeitende, da diese die relevantesten und wichtigsten Dokumente selbständig und leicht finden können.
- Höhere Benutzerzufriedenheit: Durch iterative Tests und Feedback wurde die Lösung optimiert, und Power-User: innen meldeten eine hohe Zufriedenheit mit dem Tool.
«Durch die iterativen Test- und Feedbackzyklen mit Power User:innen und das strukturierte Enablement konnten wir Qualität und Akzeptanz im Arbeitsalltag gezielt aufbauen.»
Bernhard Böck, BVAEB, Abteilungsleiter IKT Software
Key Takeaways für andere Organisationen
Organisationen, die ein KI-gestütztes Wissensmanagement aufbauen möchten, können aus dem KI-Projekt der BVAEB mehrere praxisnahe Erfolgsfaktoren ableiten.
- Use Case klar fokussieren Bei der BVAEB wurde bewusst kein „Allzweck-Chatbot“ eingeführt, sondern ein Assistenzwerkzeug, das Mitarbeitende schnell zu den richtigen Regelwerksstellen führt und so Nachvollziehbarkeit und Verantwortungszuordnung unterstützt.
- Die Dokumentenrealität ist erfolgsentscheidend: Wenn kritisches Wissen – wie hier – überwiegend in schwer maschinenlesbaren Tabellen steckt, reicht ein Standard-RAG-Ansatz oft nicht aus; es braucht gezielte, domänenspezifische Aufbereitung, damit Semantik (Bedingungen, Zuordnungen, Ausnahmen) erhalten bleibt.
- Fachsprache ernst nehmen: Interne Begriffe und Abkürzungen müssen systematisch berücksichtigt werden, sonst sinken Trefferqualität und Akzeptanz.
- Qualität entsteht nicht „nebenbei“: Strenge, wiederholte Testzyklen mit Power Userinnen, klaren Erwartungswerten (inkl. erwarteter Dokumente) und einem strukturierten Feedbackprozess sind zentrale Hebel, um das System zuverlässig in den Arbeitsalltag zu bringen.
- Enablement ist ein eigener Erfolgsbaustein: Schulungen, Beispiele für gute/schlechte Fragen, Handbuch und Feedbackkultur beschleunigen Adoption und reduzieren Fehlanwendungen – besonders in Organisationen mit hohen Compliance- und Qualitätsanforderungen.